Waldkindergärten aus der Sicht von Prof. Dr. D. Palitzsch

BlockhütteErste Mitteilungen über Wald-Kindergärten kamen aus Dänemark, später gab es Einrichtungen in Wiesbaden. Anfang 1996 wurde auch in unserer Stadt ein Wald- Kindergarten eröffnet. Wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen wohl gefragt wird, gibt es nicht. Die Kinder sind bei jedem Wetter draußen in erreichbarer Nähe einer Unterkunft, wenn sie nass geworden sind, frieren oder Mahlzeiten einnehmen.

Sicherlich sind die Naturverbundenheit und der Wald mit seinen verschiedenen Facetten in den Jahreszeiten, das Kennenlernen von Vögeln und allerhand Kleintieren (vielleicht ist auch ein Reh zu sehen) ein sehr positiver Aspekt, der den Kindergartenaufenthalt zu einem kleinen Abenteuer werden lässt. Die Betreuerinnen haben viele Möglichkeiten zur Förderung des Sozialverhaltens, aber auch zum Kennenlernen der Natur. Das gefällt allen Beteiligten, vor allem den Kindern, sehr gut.
Ängste bestehen durch gehäuftes Auftreten sog. Erkältungskrankheiten. Als Pädiater wissen wir, dass bei zweckmäßiger Kleidung und Bewegung die Zahl der Virusübertragungen im Freien abnimmt, eine Beobachtung, die in allen Wald- Kindergärten bestätigt wird. Die Kinder sind im Durchschnitt wesentlich seltener krank als in den oft infektbeladenen Gruppen im Kindergarten, möglicherweise sogar mit überheizten Räumen.
Viele Aktivitäten, je nach Engagement der Betreuerinnen, lassen sich im Wald und im Freien besser verwirklichen als in Gebäuden. So wurden bei uns Hexenfeste im Fasching gefeiert, der Nikolaus kam direkt aus dem Wald, zum Muttertag überraschten die Kinder auf einer Naturbühne ihre Mütter mit Aufführungen. Damit die Kinder in kälteren Jahreszeiten nicht frieren, müssen sie sich viel bewegen, was nicht nur dem Bewegungsdrang des Kindes entgegenkommt, sondern auch unseren medizinischen Vorstellungen entspricht. Nach meiner Erfahrung und Kenntnis sind diese Waldkindergärten sicherlich eine recht gute und nachahmenswerte Ergänzung des herkömmlichen Kindergartens.

Prof. Dr. D. PALITZSCH
Fachabteilung für
Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Kreiskrankenhaus
Herzbachweg 14
63571 Gelnhausen

aus: pädiat prax. 54, 2(1998)